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Halbzeitbilanz 2011: Schaden- und Unfallversicherer verhalten optimistisch

Die Schaden- und Unfallversicherer blicken zuversichtlich auf das laufende Geschäftsjahr. Der Grund hierfür sind leicht steigende Betragseinnahmen und ein stagnierendes Schadenniveau. Das geht aus einer Hochrechnung für 2011 hervor, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) heute in Berlin veröffentlichte. Die Beiträge der Schaden- und Unfallversicherer steigen danach um 2,4 Prozent, die Aufwendungen für Schäden legen gegenüber dem Vorjahr um voraussichtlich 0,2 Prozent zu. Die Schaden-Kostenquote – die sogenannte Combined Ratio – wird in Höhe von 97 Prozent erwartet, das ist allerdings nur ein Prozentpunkt weniger als im Vorjahr.


Geschäftsentwicklung der Sparten

1. Kraftfahrtversicherung
In der Kraftfahrtversicherung ist nach sieben Jahren die Trendwende vollzogen: Die durchschnittlichen Beiträge in der Kfz-Haftpflicht- und Kaskoversicherung nehmen voraussichtlich um 1 bis 2 Prozent zu. Demzufolge steigen die Beitragseinnahmen aller Voraussicht nach um 3,4 Prozent. Allerdings reichen sie nicht aus, um Gewinn zu erwirtschaften. Die Kraftfahrtversicherer rechnen mit einem versicherungstechnischen Verlust von 1,1 Milliarden Euro, 2010 waren es noch 1,5 Milliarden Euro.

Die Entwicklung der Schäden bleibt besorgniserregend: In der Vollkasko steigen die Ausgaben für Schäden um vermutlich 4,5 Prozent und in der Teilkaskoversicherung um voraussichtlich 2,0 Prozent. Die Kosten für Glasbruchschäden als Folge von Steinschlägen durch Streugut belasten die Schadenseite der Kaskoversicherer besonders. Mittlerweile zahlen die Kfz-Versicherer Jahr für Jahr mehr als 1 Milliarde Euro für Glasschäden.

2. Wohngebäude-, Hausrat- und Elementarschadenversicherung
In der Sachversicherung steigen die Beitragseinnahmen voraussichtlich um 1,2 Prozent. Der Zuwachs resultiert dabei besonders aus inflationsbedingten Anpassungsmöglichkeiten in der privaten Sachversicherung. Die Schaden-Kostenquote verbessert sich über alle Sparten der Sachversicherung gemäß der Hochrechnung um 2 Prozentpunkte auf rund 97 Prozent. In der privaten Wohngebäudeversicherung tritt dennoch keine Entspannung ein. Trotz weniger Sturm-, Hagel- und Leitungswasserschäden durch Frost erwartet die Branche hier eine Schaden-Kostenquote von 104 Prozent. Das zehnte Jahr in Folge fährt die Wohngebäudeversicherung damit versicherungstechnische Verluste ein; 2011 ist von 0,2 Milliarden Euro auszugehen.

3. Haftpflichtversicherung
Die Haftpflichtversicherer erwarten auch aufgrund der positiven, konjunkturellen Entwicklung leicht wachsende Beiträge von 1,5 Prozent. Die Schaden-Kostenquote wird konstant bei 91 Prozent erwartet.

4. Rechtsschutzversicherung
Sinkende Kosten für Arbeitsrechtsschutzfälle und steigende Beitragseinnahmen führen bei den Rechtsschutzversicherern zu einer verbesserten Geschäftsentwicklung: Die Beiträge wachsen um 2,0 Prozent, die Schaden-Kostenquote sinkt auf 95 Prozent.

5. Unfallversicherung
Das Einmalbeitragsgeschäft in der privaten Unfallversicherung mit garantierter Beitragsrückzahlung führt zu einem erwarteten Beitragsplus von 1,5 Prozent. Der vergleichsweise milde Jahresbeginn 2011 mit weniger Glatteisunfällen als im Vorjahr wirkt sich auf die Ausgaben für Schäden aus – sie gehen voraussichtlich um 1,5 Prozent zurück. 2010 verzeichneten die Unfallversicherer nach langen Frostperioden hier noch einen Anstieg um 4,0 Prozent.

6. Transport- sowie Kredit-, Kautions- und Vertrauensschadenversicherung
Sowohl bei den Transport- als auch bei den Kredit-, Kautions- und Vertrauensschadenversicherern führt der konjunkturelle Aufschwung zu einer positiven Entwicklung der Beitragseinnahmen. In der Transportversicherung erwartet die Branche einen Anstieg der Beitragseinnahmen von 4,0 Prozent. Allerdings führt die wirtschaftliche Erholung hier zu mehr Schäden, sodass voraussichtlich ein versicherungstechnischer Verlust von 0,1 Milliarden Euro entsteht. In der Kredit-, Kautions- und Vertrauensschadenversicherung werden die Kosten für Schäden gemäß Hochrechnung auf dem niedrigen Niveau des Vorjahres bleiben, da größere Unternehmensinsolvenzen bislang ausblieben. Die Beitragseinnahmen legen in dieser Sparte voraussichtlich um 3,0 Prozent zu – sie wachsen in geringerem Umfang als die gewährten Deckungssummen, sodass das Prämienniveau sinkt. Das versicherungstechnische Ergebnis der Kredit-, Kautions- und Vertrauensschadenversicherern verbleibt bei 0,7 Milliarden Euro. (Quelle: GDV)

Versicherungsbetrug 2011: Geringes Unrechtsbewusstsein, kaum Angst vor Sanktionen / Versicherer bekämpfen Betrug mehr denn je

Versicherungsbetrug ist in allen Gruppen unserer Gesellschaft verbreitet. Jeder Fünfte sieht hierin nur ein Kavaliersdelikt. Folgen und Sanktionen des Betrugs werden von vielen unterschätzt. Am meisten betroffen: die private Haftpflicht- und die Hausratversicherung. Vierzig Prozent der Bürger glauben, in diesen beiden Sparten eine Versicherung verhältnismäßig leicht betrügen zu können. Dies zeigt eine aktuelle Studie der GfK Finanzmarktforschung im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Zwölf Prozent der Haushalte geben zu, schon einmal auf einen Versicherungsbetrug in den letzten fünf Jahren angesprochen worden zu sein. Die Ansprache findet in erster Linie durch Bekannte und Verwandte statt. Vier Prozent der Haushalte geben offen zu, in den letzten fünf Jahren Versicherungsbetrug begangen zu haben. Weitere sieben Prozent geben an, in ihrem unmittelbaren Umfeld bereits von einem Betrug erfahren zu haben. Immerhin 11 Prozent der Befragten wollen sich nicht äußern, ob sie in den vergangenen fünf Jahren einen Versicherungsbetrug begangen haben. Diese so genannte Grauzone ist erheblich. 78 Prozent der Befragten geben an, nichts mit Versicherungsbetrug zu tun zu haben.

Jeder zehnte gemeldete Versicherungsschaden ist wahrscheinlich Betrug
In den meisten Fällen wird der wahre Schadensverlauf anders dargestellt, wenn der Versicherungsschutz für den tatsächlichen Hergang nicht gegeben wäre. Jeder Zehnte, der Geld von seiner Versicherung will, hat den Schaden frei erfunden oder setzt diesen zu hoch an, so eine Faustformel der Branche. Jeder sechste Versicherungsbetrüger holt sich in Internetforen Tipps, um seine Versicherung zu betrügen.

Die GfK-Untersuchung zeigt aber auch, dass den meisten Versicherten bewusst ist, dass die Versichertengemeinschaft durch Betrug geschädigt und damit das Solidaritätsprinzip untergraben wird.

Ein Drittel der Befragten sieht das anders: Bei ihnen darf laut GfK ein geringeres Unrechtsbewusstsein in Bezug auf Versicherungsbetrug angenommen werden. Etwa drei Viertel der Befragten, die angeben, schon eine Versicherung betrogen zu haben, sagen allerdings, dass sie den Versicherungsbetrug unterlassen hätten, wenn ihnen die Konsequenzen deutlicher gewesen wären. Nur jeder vierte Befragte rechnet im Fall eines Versicherungsbetrugs mit einer Anzeige oder der Kündigung des Vertrages. Gleichwohl: Die Befürchtung, für einen „kleinen“ Versicherungsbetrug bestraft zu werden, ist relativ hoch.

Versicherer aktiv in der Betrugsabwehr
Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Betrugsversuch vom Versicherer ertappt zu werden, ist gestiegen. Seit Jahren schulen die Versicherer ihre Mitarbeiter, um Anhaltspunkte für einen betrugsverdächtigen Schaden zu erkennen. Sie werden einer besonders sorgfältigen Prüfung unterzogen. Derzeit werden insbesondere Schadenmeldungen bei Elektronik – Laptops, Smartphones und Flachbildschirmen – eingehend geprüft. Hierfür schalten Gesellschaften auch Gutachter ein. In einer Sonderuntersuchung zeigten sich 45 Prozent der eingereichten Schäden als nicht begründet: bei 36 Prozent der gemeldeten Laptopschäden konnte eine Betrugsabsicht nachgewiesen werden. Bei weiteren neun Prozent verfolgten die Kunden ihre Forderung nicht weiter, nachdem der Versicherer um Zusendung des Gerätes zur Begutachtung gebeten hatte. Grenzen in der Schadenhöhe, unterhalb derer keine Plausibilitätsprüfungen zu erwarten sind, gibt es bei vielen Versicherern nicht mehr. Sie prüfen jede Schadenmeldung intensiv unabhängig von ihrer Höhe. „Gerade die kleineren Betrügereien sind in der Summe ein großes Problem für die Versichertengemeinschaft“, sagt Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung des GDV. „Wir sind gegenüber der ganz großen Mehrzahl ehrlicher Kunden in der Pflicht, Betrug zu bekämpfen.“ Auch das neue Hinweis- und Informationssystem (HIS) soll helfen, Versicherungsbetrug zu verhindern und die Risikoprüfung effizienter gestalten. Das HIS wird seit 1. April 2011 als Auskunftei von der informa Insurance Risk and Fraud Prevention GmbH betrieben.