Risiko Berufsunfähigkeit wird stark unterschätzt

Studie: Jede zweite Familie nicht abgesichert – Unfallversicherung ist kein Ersatz

Jede zweite Familie in Deutschland hat sich nicht gegen Berufsunfähigkeit abgesichert. Das ergab eine aktuelle repräsentative Studie der Delta Lloyd Deutschland und dem F.A.Z.-Institut. Danach halten es lediglich 10,6 Prozent aller Befragten für wahrscheinlich, dass sie von Berufsunfähigkeit betroffen sein könnten. Tatsächlich scheidet heute aber bereits jeder fünfte Arbeitnehmer aus gesundheitlichen Gründen aus dem Berufsleben aus.

„Der Schaden, den eine Berufsunfähigkeit verursacht, ist immens“, sagt Sabine Peters, Vorsorgeexpertin von Delta Lloyd. „Wenn man ein Monatseinkommen von 2.000 Euro annimmt, fehlen einer Familie in zehn Jahren rund eine Viertelmillion Euro – ohne Berücksichtigung der Inflation.“ Andere, weitaus geringere Risiken, würden hingegen viel stärker wahrgenommen. So verfügen laut der Befragung rund 72 Prozent aller Familien über eine Hausratversicherung – obwohl der durchschnittliche Schaden im Jahr 2007 bei nicht einmal 1.000 Euro lag. „Hier werden vielfach falsche Prioritäten gesetzt“, kritisiert Peters.

Viele Familien verlassen sich auch auf eine Unfallversicherung – dabei sind Unfälle nur selten die Ursache für Berufsunfähigkeit. In einem Drittel aller Fälle sind psychische Erkrankungen der Grund für den unfreiwilligen Rückzug vom Job. Bei etwa jedem sechsten berufsunfähigen Arbeitnehmer liegen Ursachen im Bereich Skelett, Muskeln und Bindegewebe. Bei weiteren 15 Prozent aller Berufsunfähigen ist eine Krebserkrankung die Ursache. „Dies zeigt, dass eine Unfallversicherung nur einen Bruchteil des Berufsunfähigkeitsrisikos abdeckt“, so Peters.

Wer sich auf die gesetzliche Rente verlässt, steht im Notfall mit fast leeren Händen da. Denn für Versicherte, die nach dem 1. Januar 1961 geboren worden sind, gibt es nur noch die so genannte Erwerbsminderungsrente. Bei ihrer Ermittlung wird nicht darauf geachtet, welchen Beruf der Betroffene zuletzt ausgeübt hat. Vielmehr wird geprüft, ob es nicht irgendeine – im Zweifel schlechter bezahlte – Tätigkeit gibt, die der Versicherte noch ausüben kann. Der volle Betrag der Erwerbsminderungsrente wird übrigens auf der Renteninformation ausgewiesen, die von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte regelmäßig an jeden Versicherten verschickt wird. „Wer sich allein auf diesen Betrag verlässt, muss in vielen Fällen den Gang zum Sozialamt antreten“, warnt Peters. (Quelle: Delta Lloyd)

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